Das Rote Kliff ist eine ca. 30 Meter hohe Steilküste zwischen den Orten Wenningstedt und Kampen auf der Nordseeinsel Sylt. Es befindet sich auf der zur offenen See gelegenen Westseite der Insel. Im Süden beginnt es südlich des Parkplatzes „Risgap“ in Wenningstedt und im Norden endet es in Höhe „Haus Kliffende“ an der Kampener Westheide. Einige Meter nördlich liegt die höchste Erhebung der Insel, die etwa 52,5 m hohe Uwe-Düne, die im Gegensatz zur eiszeitlich entstandenen Abbruchkante des Kliffs aus postglazialer Ablagerung von Dünensand entstanden ist.

Vor etwa 120.000 Jahren lagerten Gletscher der Saalevereisung mächtige Schuttmassen unsortierten Gesteins auch im Bereich der heutigen Insel Sylt ab, die zu den vier Geestkernen wurden, die heute die Hauptmasse der Inselmitte bilden. Der größte von ihnen, der Westerländer Geestkern, der ursprünglich etwa zehn Kilometer weiter nach Westen reichte, bildete auf Grund des steigenden Meeresspiegels der Nacheiszeit und durch Küstenerosion eine Abbruchkante aus. Der rostrote Geschiebelehm, der dem Kliff seinen Namen gab, erhielt seine Färbung durch die Oxidation eisenhaltiger Bestandteile.


 

Noch im 19. Jahrhundert vermuteten Geologen einen erdgeschichtlichen Zusammenhang zwischen Sylt und Helgoland, dessen Felsen zwar eine ähnliche Färbung besitzen, aber erheblich älter sind und auch eine andere Entstehungsgeschichte haben. Die aus dem Roten Kliff herausbrechenden Gesteine wie Feuerstein, Rhombenporphyr oder Rapakivigranit lassen noch heute eine exakte Bestimmung ihrer Herkunft zu.

Jahrhundertelang diente diese markante Steilkante der Schifffahrt als Erkennungsmerkmal der Insel, findet sich doch eine derart auffällige Abbruchküste an den Ufern der deutschen und niederländischen Nordseeküste kein weiteres Mal. Bereits auf der Seekarte von A. Haeyens 1585 ist das Rote Kliff gut erkennbar.